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Tibeter in der Schweiz

Regungslos, die Augen geschlossen sitzt der Geshe auf der flachen Bank im Gebetsraum. Tief versunken flüstert er Mantras. Mit ihm betet die in karmesinfarbene Gewänder gehüllte Mönchsgemeinschaft. Immer wieder unterbrechen sie seine scheinbar endlosen Rezitationen durch heiliges Geläut mit Zimbeln und Glocken. Als Vorbeter des tibetischen Klosters leitet Geshe Kedup die Zeremonie für einen Verstorbenen, ist für ihr Gelingen verantwortlich.
Über die lange Holztreppe strömt die Trauergemeinde ins Dunkel des Dukhang. Mit gefalteten Händen verbeugen sich die Verwandten des Verstorbenen vor den Mönchen, entzünden Butterlampen an der großen Buddha-Shakyamuni-Statue. Ein kurzes Gebet, dann überlassen die Laien den Mönchen wieder den sakralen Raum. Sie ziehen sich in die Küche des Klosters zurück, um für die hungrige Gemeinschaft zu kochen.

Zwischen brodelnden Töpfen herrscht reges Treiben. Die Stimmung scheint alles andere als traurig. Fast ausgelassen knetet die Trauergesellschaft den Teig für die tibetische Nationalspeise – Momos. Beim Betreten der Küche grüßen die Menschen vom Schneeland freundlich. Doch wer hier ein tibetisches „Tashi Delek“ erwartet hat weit gefehlt. Vielmehr verrät ein schallendes „Grüezi“, dass man sich nicht auf dem tibetischen Hochplateau sondern rund 7000 Kilometer westlich und 3000 Höhenmeter tiefer in der Schweiz befindet. ....

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