
"Die Kinder sind unsere Zukunft" |
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seit 1959 leben die tibetischen Flüchtlinge im Exil. Während sich
der größte Teil in den Ausläufern des nordindischen Himalaya im
Bundesstaat Himachal Pradesh niederließ, sind andere in die Nachbarstaaten
Nepal und Bhutan geflohen . Noch immer nehmen viele Tibeter die
Strapazen einer riskanten Flucht über die hohen Pässe des Himalaya
in die Freiheit auf sich. Im nordindischen Bergdorf Dharamsala haben
sie die Möglichkeit, nahe ihrem religiösen und politischen Oberhaupt,
dem Dalai Lama zu sein. Unermüdlich setzt sich der Friedensnobelpreisträger
für eine friedliche Lösung des Konfliktes mit der chinesischen Besatzungsmacht
ein.
Um einen nachhaltigen Verlust ihrer Identität zu vermeiden, rief
der Dalai Lama im Exil ein Schulsystem ins Leben, das einerseits
den modernen Lehrstoff westlicher Nationen vermittelt und andererseits
die tibetische Sprache und Kultur lebendig erhält.
Ein wichtiges Ziel ist die Identifikation der Jugend mit ihrer Heimat.
Im Bildungsministerium der tibetischen Exilregierung erläutert Staatssekretär
Ngodup Tsering den derzeitigen Stand des Bildungsprojektes:
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Worin
unterscheidet sich das im Exil etablierte Schulsystem von dem,
das die Chinesen in Tibet anordneten? Ngodup Tsering:
Als wir ins Exil kamen war die erste und wichtigste Aufgabe der
tibetischen Verwaltung veranlasst durch seine Heiligkeit den Dalai
Lama - den Flüchtlingskindern eine gute Schulausbildung zu ermöglichen.
Hierfür wurden insgesamt 86 Schulen errichtet, von denen sich
69 in Indien, 13 in Nepal und vier Schulen in Bhutan befinden.
Zusätzlich haben wir noch rund 90 Kindergärten. Hingegen haben
die tibetischen Kinder im besetzten Tibet keine Möglichkeit ihre
Kultur und Sprache zu studieren. Hinzu kommt, dass unter der chinesischen
Kontrolle keine gute Ausgangssituation für eine erfolgreiche Schulbildung
mit ihren vielfältigen Möglichkeiten besteht. In vielen chinesischen
Schulen wird den Kindern das Erlernen der tibetischen Sprache
verboten. Direkt in Lhasa gibt es einige wenige Schulen, die Tibetisch
als Lehrfach anbieten.
Wie
können Sie den Verlust der tibetischen Kultur verhindern?
Ngodup Tsering: Der Dalai Lama veranlasste frühzeitig den
Bau tibetischer Schulen. Weiterhin ermöglichte er zahlreich tibetische
Siedlungen, die als Zentrum der Traditionspflege dienen. Ein wichtiger
Punkt war auch die Ansiedlung von Klöstern, die die buddhistische
Lehre verbreiten. Unsere Schulprogramme geben der Jugend die Möglichkeit,
die tibetischen Werte zu verinnerlichen. Hierdurch haben wir an
unseren Schulen Lehrer für Religion, Tanz, Musik und die tibetische
Sprache. Darüber hinaus gibt es Projekttage mit Themen wie beispielsweise
"Tibet meine Heimat". Hierfür wird im Lehrplan eine Woche eingeräumt,
in der sich die Projektgruppen unter anderem übe tibetische Kostüme,
Traditionen, die verschiedenen Dialekte und vieles mehr informieren.
Am Ende dieser Tage erfolgt eine große Präsentation des erlernten.
Ferner gibt es viele Kulturwettbewerbe zwischen verschiedenen
Schulen.
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Welche Fächer werden an den Schulen unterrichtet?
Ngodup Tsering: Während an der Grundschule Englisch, Gemeinschaftskunde,
Mathematik und manchmal bereits Hindi unterrichtet werden, kommen
mit zunehmendem Alter immer mehr Fächer hinzu. So erhalten die Schüler
ab der 10. Klasse beispielsweise auch das Fach Wirtschaft. Ab der
11. Klasse kann man sich dann auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren.
Hier stehen zum Beispiel Naturwissenschaften, berufsspezifische
Zweige, Kunst oder aber auch ein allgemeiner Zweig zur Auswahl.
Welchen
Stellenwert hat der Buddhismus innerhalb des Schulunterrichtes?
Ngodup Tsering: Er spiel im Schulalltag eine wichtige Rolle.
Der Buddhismus und die tibetische Kultur sind untrennbar. Unsere
Werte entspringen aus dieser Lehre. Deshalb haben wir auch Religions-
und Kulturlehrer, die den Kindern den Sinn des Buddhismus vermitteln.
Gibt es Kontakte zwischen seiner Heiligkeit dem Dalai Lama und den
Menschen an Ihren Schulen?
Ngodup Tsering: Oh ja, seine Heiligkeit besucht die Schulen
sehr häufig. Er hat ein großes Herz für die Kinder und für ihn ist
eine gute Ausbildung unserer Schüler besonders wichtig.
Welche weiterführenden Möglichkeiten haben die Absolventen der Senior
Secundary School?
Ngodup Tsering: Jene Schüler, die sehr intelligent sind, möchten
wir natürlich in ihren weiteren Studien unterstützen. Die meisten
begabten Schüler besuchen nach ihrem Abschluss eine indische Universität
und einige können auch im Westen studieren. Jedes Jahr dürfen 15
Absolventen in den USA studieren. Darüber hinaus bestehen Angebote
aus Taiwan, Thailand, Frankreich, Norwegen und Finnland. Jene Absolventen,
die die Voraussetzungen für ein Studium nicht erfüllen, versuchen
wir für eine Berufsausbildung zu vermitteln.
Wie
werden die Schulen finanziert und werden für den Schulbesuch Gebühren
erhoben?
Ngodup Tsering: Ein Schultyp wird finanziell durch den indischen
Staat unterstützt. Die weiteren Schulen werden vom Bildungsministerium
finanziert, das sie in ihrer Arbeit unterstützt und managt. Einen
großen Teil finanzieller Unterstützung erhalten wir aus den westlichen
Ländern. Weiterhin werden auch Schulgebühren erhoben, die jedoch
bei besonders armen Familien oder Flüchtlingskindern entfallen.
Wie können die Menschen in Deutschland tibetische Kinder unterstützen?
Ngodup Tsering: Die Kinder sind die Zukunft Tibets. Wir sind
natürlich auf die Hilfe von Ländern und Freunden in der ganzen Welt
angewiesen. Wir haben zwar schon einiges erreicht, jedoch gibt es
noch viele Projekte, die wir gerne realisieren möchten. So gibt
es eine Vielzahl von Schulen, die über eine mangelhafte Infrastruktur
verfügen. Hierunter zählen unzureichend ausgestattete Klassenzimmer,
fehlende Bibliotheken und Laboreinrichtungen für den Chemie- oder
Physikunterricht. Dann gibt es Schulen, die nicht einmal übe gutes
Trinkwasser und akzeptable sanitäre Einrichtungen verfügen. Ferner
gibt es tibetische Kinder, die in sehr abgelegenen Gegenden in Darjeeling,
Nepal oder Ladakh leben, wo es natürlich keine Schulen gibt. Diese
Kinder werden hier in Internaten unterrichtet. Gleichzeitig sind
wir auf der Suche nach Sponsoren, die Patenschaften für hilfsbedürftige
Kinder übernehmen, um deren tägliche Bedürfnisse und die Kosten
der Schulausbildung zu finanzieren.


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